Abgelegener Nationalpark im Süden Italiens: Friedlicher Zufluchtsort mit Wanderwegen und Wasserfällen

This Remote National Park In Southern Italy Is A Peaceful Haven With Trails & Waterfalls

22. Februar 2026

Da Italien eines der meistbesuchten Reiseziele der Welt ist, kann es ausgesprochen schwierig sein, dem Trubel zu entkommen. Aber wenn man ganz an das Ende des italienischen Stiefels reist, entdeckt man das deutlich weniger überlaufene Aspromonte-Nationalpark (Parco Nazionale dell’Aspromonte), dessen Wanderwege und Wasserfälle so fernab der bekannten Pfade liegen, dass es sich anfühlen wird, als hätte man diesen ruhigen Ort ganz für sich allein.

Der Aspromonte ist ein Gebirgsstock in Kalabrien im Süden Italiens. Zwar übersetzt sich der Name „Aspromonte“ mit „bitterer Berg“, doch an diesen Bergen oder dem Nationalpark, der nach ihnen benannt ist, gibt es nichts Bitteres. Im Park erwarten Sie 143 benannte Berge, dichte Wälder, hübsche Wasserfälle, kleine Dörfer und sich schlängelnde Flüsse. Der Park wurde 1989 gegründet und erstreckt sich heute über fast 250 Quadratmeilen Kalabriens – eine Region, die dank ihrer unverwechselbaren Küche definitiv auf Ihrer kulinarischen Bucket List stehen sollte.

Für die Erkundung dieses abgelegenen Nationalparks ist ein Auto definitiv unumgänglich. Am Flughafen Reggio Calabria „Tito Minniti“ (REG) kann man es mieten; der Flughafen wird von Direktverbindungen aus anderen Städten Italiens sowie aus einigen europäischen Ländern bedient. Von dort aus beträgt die Fahrt nach Gambarie, dem Haupteingang des Parks, weniger als eine Stunde. Der Ort beherbergt tatsächlich auch ein Skigebiet, Gambarie d’Aspromonte, das größte in Kalabrien.

Wandern im Aspromonte-Nationalpark

Aufgrund seiner abgelegenen Lage und der atemberaubenden Landschaft ist es kaum überraschend, dass der Aspromonte-Nationalpark zu den besten Wanderzielen Süditaliens gehört. Die Wege reichen von leichten Spaziergängen bis zu Ganztagesaufstiegen. Der Grand Italian Trail (Sentiero Italia) ist der längste Wanderweg der Welt: Er umfasst 354 Abschnitte und durchquert fast alle Regionen Italiens auf rund 8.000 Kilometern. Sein Abschnitt U02 beginnt in Gambarie und führt bis zur Stadt Polsi. Der Pfad führt hinauf zum Montalto, dem höchsten Berg des Aspromonte mit über 1.950 Metern über dem Meeresspiegel. Anschließend geht es weiter zum Heiligtum Unserer Lieben Frau von Polsi, einer uralten Wallfahrtsstätte. Dieser etwa 21 Kilometer lange Abschnitt des Sentiero Italia ist anspruchsvoll und benötigt rund neun Stunden. Die Belohnung sind Blicke aufs Ionische Meer, auf das Tyrrhenische Meer sowie auf den Ätna, einen aktiven Stratovulkan an der Ostküste Siziliens.

Ein weiterer bekannter Wanderweg im Aspromonte-Nationalpark führt zur Pietra Cappa, einem der höchsten Felsmonolithen Europas, der aus dem Boden des Tals der Großen Steine etwa 140 Meter aufragt. Der Weg passiert antike Ruinen, Kastanien- und Eichenbestände sowie weitere beeindruckende Felsformationen. Diese Wanderung dauert rund 4 Stunden und ist nicht so anspruchsvoll wie der U02-Abschnitt. Die Aussicht auf das Tal soll atemberaubend sein. Ein weiteres empfohlene Ziel ist das Tal La Verde (Gole La Verde), das ebenfalls herrliche Ausblicke verspricht. Auf dieser etwa 4 Stunden langen Tour schlängelt man sich vorbei an einer Kirche, den Ruinen eines alten Dorfes und weiteren Felsformationen, bevor man das Tal mit seinen Schluchten erreicht.

Wasserfälle im Nationalpark

Es gibt im Aspromonte-Nationalpark auch beeindruckende Wasserfälle – einige mit Becken, in denen man ein erfrischendes Bad nehmen kann. Einer davon ist der vierstufige Menta-Amendolea-Wasserfall (auch Maesano-Wasserfall genannt). Der rund 5,1 Kilometer lange Weg zu den Fällen beginnt nahe einem großen Parkplatz am Menta-Reservoir (Lago Menta), dem größten See des Parks. Der Pfad folgt anschließend dem Amendolea-Fluss (Fiumara di Amendolea) zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man die Wasserfälle und drei Becken sehen kann, die die Fälle im Laufe der Zeit in die Landschaft geformt haben. Das klare Wasser bietet sich hervorragend zum Schwimmen an.

Das Menta-Reservoir liegt auch nicht weit vom Forgiarelle-Wasserfall (Cascate Forgiarelle) entfernt. Dieser Wasserfall fällt über metamorphe Felsen in den Ferraina-Strom und sammelt sich am unteren Rand in einer großen Basin. Mit einer Höhe von rund 70 Metern ist er eine wunderschöne Stelle, die auch von Radfahrern gerne besucht wird. Auf dem Rückweg nach Gambarie besteht außerdem die Möglichkeit, im Rahmen einer geführten Tour ein Gebiet namens Fairy Wood zu erkunden – eine friedliche Waldlandschaft mit üppigem Grün und Wildtieren –, von wo aus sich ein weiterer Wasserfall eröffnen kann. Unterwegs bietet sich zudem der Anblick des hübschen Vallescura-Wasserfalls (Cascatella Vallescura) in einer ruhigen, waldreichen Umgebung an.

Nach der Erkundung des Aspromonte-Nationalparks lohnt sich ein Blick über Kalabrien hinaus. Capo Vaticano, ein unterschätztes Reiseziel für herrliche, menschenleere Strände, liegt ungefähr 90 Kilometer nördlich von Gambarie, während Tropea, ein mediterranes Traumziel mit wunderschönen Stränden, weitere rund 16 Kilometer dahinter liegt. Die bekannten Orte haben noch kein großes Besucheraufkommen erreicht.

Lukas Reinhardt