Als direkteste Nachbarn teilen Kanada und die USA viele Gemeinsamkeiten. In vielen US-Bundesstaaten im Norden ist Kanada mit dem Auto nur eine kurze Fahrt entfernt, und Grenzüberquerungen gehören für viele Menschen zum Alltag. Die beiden Länder teilen eine Sprache, Geografie und eine ganze Menge Geschichte und Kultur. Doch täuscht euch nicht: Zwischen diesen nordamerikanischen Cousins gibt es auch eine Welt voller Unterschiede.
Jeder weiß, dass Kanada zu den freundlichsten Ländern der Welt gehört und dass Kanadier Höflichkeit in höchstem Maße leben. Doch sich zu entschuldigen oder dem Busfahrer höflich zu danken sind nicht die einzigen Eigenschaften, die in der kanadischen Kultur wichtig sind. Für amerikanische Besucher, die ihren nördlichen Nachbarn einen Besuch abstatten, gibt es mehrere unausgesprochene Regeln, die man unbedingt beachten sollte, wenn man eine sichere und angenehme Reise haben möchte.
Schätzungen zufolge besuchen rund 1,5 Millionen Amerikaner Kanada jeden Monat – sei es für einen Tagesausflug oder längere Urlaube. Doch sie sind nicht immer ausreichend darauf vorbereitet, was jenseits der Grenze auf sie wartet. Ob es um das richtige Wetter, das Kennenlernen der vielfältigen Kulturen des Landes oder Unterschiede im alltäglichen Verhalten geht – sich über diese wichtigen Aspekte des kanadischen Lebens zu informieren, gehört zu einer gelungenen Reise einfach dazu.
Don’t underestimate the cold
Das Wetter in Kanada ist eine ernsthafte Sache. Während viele nördliche US-Bundesstaaten kalte Temperaturen und harte Winter kennen, kann die Kälte in Kanada wirklich extrem sein. Die Verhältnisse variieren stark, und Teile des Landes erreichen im Winter regelmäßig -40 °C. Es ist extrem wichtig, sich angemessen zu kleiden und die Kälte nicht zu unterschätzen, auch wenn man nur kurz draußen ist. Der kurze Weg vom Auto zum Restaurant kann sonst kalte Hände und eine schmerzende Gesichtshaut hinterlassen, wenn man nicht warm eingepackt ist.
Man sollte auch beachten, wie unterschiedlich das Wetter sein kann und wie schnell es sich ändern kann. An der Küste können Winter sehr mild sein und das Thermometer fällt möglicherweise nicht unter den Gefrierpunkt, doch in Städten wie Toronto ist selbst im Winter kaum mehr Wärme als etwa -5 °C zu erwarten. Ebenso können innerhalb von 24 Stunden Temperaturschwankungen von rund 17 Grad Celsius auftreten – dann muss man wirklich auf alle Eventualitäten vorbereitet sein.
Keep survival gear in the car
Kanadas Kombination aus unberechenbarem, extremem Wetter und der enormen Landesgröße bedeutet, dass Fahrzeiten lang sind, Entfernungen zwischen Städten riesig wirken und bei einem Unglück leicht Hilfe weit entfernt sein kann. Wer eine Roadtrip durch Kanada plant oder überhaupt in ländlicheren Regionen oder auf der Prärie unterwegs ist, sollte unbedingt eine gut ausgestattete Überlebensausrüstung im Auto dabei haben.
Wenn das Auto doch mal liegenbleibt oder ein heftiger Schneesturm anbricht, ist es entscheidend, die richtige Ausrüstung bereitzuhaben, um sicher und geschützt zu bleiben. Man braucht haltbare Snacks, die nicht sofort verderben, wie Energieriegel, und ausreichend Wasser. Eine warme Decke und mehrere Schichten Kleidung helfen gegen die Kälte, während ein Erste-Hilfe-Set wichtig ist, um Beulen, Schnitte und Kratzer zu behandeln. Eine Taschenlampe, eine Trillerpfeife, Kerzen und Warnleuchten können helfen, Aufmerksamkeit zu bekommen. Wenn man auch Frostschutzmittel oder einfach eine Tüte Sand dabei hat, verhindert man ein Festfressen des Autos. Und selbst wenn man kein Profi an Mechanik ist – ein Abschleppseil und ein Starthilfekabel-Set erleichtern die Rettung enorm.
French Canadian culture is unique
Ein Großteil der frühen kanadischen Geschichte war geprägt von einem Machtkampf zwischen Frankreich und Großbritannien um die Vorherrschaft. Als Frankreich seine Kolonien in Nordamerika an Großbritannien abtrat, blieben Québec und Acadia sprachlich, kulturell und rechtlich eigenständig – mit einem Recht auf Sprache, Kultur und eigene Traditionen. Die französisch-kanadischen Gemeinschaften sind stolz und schützend gegenüber ihren frankophonen Wurzeln, doch es ist wichtig zu verstehen, dass sich die Dinge in den vergangenen Jahrhunderten stark weiterentwickelt haben. Nur weil die Sprache ähnlich klingt, bedeutet das nicht, dass die französische Kultur aus Frankreich identisch ist. Es gibt eine Fülle einzigartiger Redewendungen, Ausdrücke und nicht selten auch Schimpfwörter, und französischsprachige Kanadier betrachten Franzosen aus Frankreich eher als entfernte Verwandte.
Wer nach Quebec, Newfoundland and Labrador oder Saint-Pierre und Miquelon reist, dem sei geraten, ein wenig Französisch zu beherrschen oder zumindest ein paar Grundkenntnisse parat zu haben. Fast jeder in Kanada spricht Englisch, daher braucht man sich nicht zu Sorgen zu machen, wenn man nur rudimentäres Französisch spricht; dennoch wird man mit selbst wenigen höflich geäußerten Worten eine große Sympathie gewinnen. Höflichkeit ist insgesamt ein zentraler Bestandteil der kanadischen Kultur, also ist es eine nette Geste, sich die Zeit zu nehmen, ein paar Worte zu lernen – das wird ausgesprochen dankbar aufgenommen.
Personal space is important
Das Stereotyp der Kanadier, zu einer Fehlerkultur der ständigen Höflichkeit beizutragen, ist allgemein bekannt. Es gibt jedoch eine weitere Charaktereigenschaft, die oft übersehen wird und genauso wichtig ist: Der persönliche Freiraum. Für Kanadier ist Abstand wichtig, und Verhaltensweisen, die in den USA oder in Europa völlig normal wirken, können in Kanada als unhöflich, aufdringlich oder unangemessen empfunden werden.
Achten Sie darauf, wie nah Sie anderen Menschen kommen, und versuchen Sie, den persönlichen Raum möglichst zu respektieren. In Schlangen, Aufzügen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln merkt man es sofort: Wenn man sich zu nahe fühlt, ist man wahrscheinlich zu nah. Wenn man doch nah herankommen muss, sollte man das offen ankündigen – hier kommt das kanadische „Sorry“ am deutlichsten zum Ausdruck, zum Beispiel durch Sagen, dass man dicht durch will oder Ähnliches. Es gehört auch dazu, darauf zu warten, dass andere zuerst aus Bustüren treten, andere passieren zu lassen oder die Tür für Mitreisende offen zu halten.