Dieses europäische Reiseziel ist 2026 bislang beliebter als Frankreich und Italien

Forget France And Italy, This European Destination Is More Popular In 2026 So Far

7. Juli 2026





Im Jahr 2024, als Paris die Sommerspiele nach einem Jahrhundert erstmals ausrichtete, empfing Frankreich rund hundert Millionen Besucher und war damit das meistbesuchte Land der Welt. Italien war unter US-Reisenden fast gleichauf mit Frankreich, denn im ersten Quartal 2025 verzeichnete es laut der International Trade Administration mehr als eine halbe Million Abreisen dorthin. Für Amerikaner mögen Frankreich und Italien die Top-Destinationen in der Europäischen Union sein, doch für den Rest der Welt liegt Spanien inzwischen auf Augenhöhe mit Italien als zweitbeliebtestes Land. Spain meldete 2025 einen Rekordwert von 96,8 Millionen ausländischer Besucher, und ein aktueller Reisebericht deutet darauf hin, dass Spanien bislang das populärste Sommerziel weltweit im Jahr 2026 ist.

Der 42-seitige Bericht, der im Juni 2026 veröffentlicht wurde, stammt vom internationalen Travel-eSIM-Anbieter Holafly. Es ist nicht das erste Mal, dass Spanien weltweit als Nr. 1-Destination rangiert: Bereits im Sommerbericht 2025 des Unternehmens stand Spanien ganz oben. Unterdessen belegten Barcelonas und Madrids Stadtbezirke in diesem Jahr Platz 10 bzw. 16 in der Liste der Städtenennungen. Erstere zog Europäer auf Wochenendreisen in den Bann, Letztere sprach dank sprachlicher und kultureller Verbindungen besonders Lateinamerikaner an. Holafly verweist darauf, dass diese Einschätzungen auf der Reiseabsicht basieren und über eine Vor-Saison-Umfrage unter 3.048 Reisenden aus mehreren Märkten im Mai 2026 erhoben wurden. Anstatt sich auf eigene Nutzerdaten zu stützen, ausgelagerte das Unternehmen die Rekrutierung der Teilnehmenden an die unabhängige Forschungsplattform Prolific, um einen Konsens zu erreichen, der Verzerrungen durch Selbstselektion ausschließt und Ergebnisse liefert, die die breitere Reisendenpopulation repräsentieren – jenseits der bestehenden Nutzerschaft eines Anbieters.

Spanien dominiert den Sommerreiseverkehr – vom Strand bis zu Barcelona

An der Mittelmeerküste Spaniens können Strandorte wie Benidorm in der Provinz Alicante im Sommer das Fünffache der örtlichen Einwohnerzahl aufnehmen. Neben dem üblichen Zustrom von Sommertouristen an Küstenorten dürfte der Abschluss des Hauptturms der Sagrada Família in Barcelona ein Grund dafür sein, dass das Reisinteresse in Spanien auch in diesem Jahr hoch bleibt. Barcelona ist bereits das beliebteste Reiseziel Spaniens für internationale Besucher – 2025 empfing die Stadt 13,4 Millionen Gäste. Der Holafly-Bericht für 2026 geht zwar nicht stark ins Detail, was genau Spaniens Anziehungskraft ausmacht, doch der Bericht von 2025 betont, dass Barcelonas Mischung aus Antoni Gaudís Architektur, mediterranen Stränden und kosmopolitischer Lebendigkeit auffällt.

Nachdem Gaudí als Architekt die Basilika mit einem Stilmix aus Gotik, Byzantinischer und weiteren Elementen geprägt hatte, konnte er nur den ersten von 18 Türmen der Sagrada Família sehen, bevor er verstarb. Zum 100. Todestag Gaudís im Juni 2026 war Papst Leo XIV in Barcelona zugegen, um die Basilika zu segnen, die heute die höchste Kirche der Welt ist. Seit 1882 im Bau, öffnete sie erst 2010 der Öffentlichkeit. Dieser Baufortschritt könnte manchen Besuchern einen erneuten Reiz verleihen, auch wenn es nur eines von sieben Gaudí-Werken ist, das den Status eines UNESCO-Weltkulturerbes erreicht hat.

Dennoch sollte man sich nicht darauf beschränken, Barcelona auf Gaudí-Höhepunkte zu reduzieren. Man kann auch die kopfsteingepflasterten Gassen des mittelalterlichen Gotikviertels erkunden oder sich in die Fenster mit buntem Glas und die mosaikgeschmückten Säulen im Palau de la Música Catalana vertiefen – ein weiteres UNESCO-Weltkulturerbe. Für die Olympischen Spiele 1992 ließ Barcelona zudem zwei Meilen ägyptischen Sands anlanden und schuf so Strände wie Barceloneta, auf denen Besucher die Mittelmeersonne genießen können.

Besucherströme nach Madrid, während Spanien dem Über-Tourismus begegnet

Mehr als 100.000 Reisende haben Madrids Platzierung als Nummer eins auf der European Best Destinations 2026-Liste gewählt. Die vibrierende Hauptstadt Spaniens wurde für ihren Museumsweg Landscape of Light ausgezeichnet, wo sich das Museo del Prado, das Museo Reina Sofía und das Thyssen-Bornemisza zu einem kulturellen Dreiklang verbinden. Wer Madrid als „Geburtsort des Tablao Flamenco“ erleben möchte, sollte Orte wie das 1911 besuchen, das seinen Flamenco-Show als älteste der Welt wirbt. Mit Essential Flamenco kann man Tanz und Musik hautnah in einer Backsteinhöhle erleben.

In TripAdvisor’s Summer Travel Index 2026 dominiert Spanien zudem die Top-10 der trendigsten europäischen Reiseziele für britische Reisende, basierend auf dem Jahresvergleich. Die Hafenstädte Alicante und Málaga, das Strandresort Playa de Palma und die Küstenstadt Sitges landeten auf dieser Liste. Allerdings zeigt die Beliebtheit Spaniens auch eine Kehrseite: Über-Tourismus führt zu Protesten mit Bannern wie „Tourist Go Home“ und sogar Wasserpistolen, die Besucher abschrecken sollen. Angesichts einer Rekord-Sommerhitze im Jahr 2026 könnte eine Abkühlung, ob mit oder ohne Wasser, zeitweise notwendig sein.

Vor diesem Hintergrund hat die spanische Regierung Maßnahmen ergriffen, um die Last des Über-Tourismus für die Anwohner zu lindern, die darunter eine verschärfte Wohnungsnot spüren. Im Jahr 2025 begann der Stadtrat von Barcelona damit, eine geplante „Selfie-Zone“ außerhalb der Sagrada Família zu entwickeln, um riskante TikTok-Trends zu verhindern. Die Stadt verdoppelte im April 2026 auch die Touristensteuer, wodurch Hotelgäste künftig bis zu 17,60 USD mehr pro Nacht zahlen müssen. Zudem haben Barcelona, Madrid, Alicante und Málaga Beschränkungen für Ferienvermietungen eingeführt – also jene Kurzzeitvermietungen, wie sie über Plattformen wie Airbnb angeboten werden. Zukünftig könnte dies die Suche nach einer Unterkunft bei einem Spanienbesuch erschweren.



Lukas Reinhardt