Nicht erkannte Bahnstrecke verbindet Serbien und Montenegro mit atemberaubenden Aussichten
Eine bisher wenig beachtete Bahnroute zwischen Serbien und Montenegro gilt als eine der spektakulärsten Zugfahrten Europas. Die direkte Strecke von Belgrad nach Bar, auch bekannt als Montenegros Express, erstreckt sich über 476 Kilometer durch die malerischen Dinarischen Alpen. Innerhalb von etwa 11 Stunden verbindet sie die serbische Hauptstadt mit dem zauberhaft benannten Hafenort Bar, wo kristallklare Strände und ein erfrischender Granatapfelsaft auf die Reisenden warten.
Der Montenegros Express ist ein technisches Meisterwerk und wurde ursprünglich 1976 eröffnet, um die Verbindungen innerhalb des früheren Jugoslawien zu verbessern. Die Dinarischen Alpen, auch Dinariden genannt, stellen eine gewaltige natürliche Barriere dar, die parallel zur Adriaküste von Nordostitalien bis nach Albanien verläuft. Die Zugstrecke überquert 254 Tunnel und 435 Brücken, darunter eine der höchsten Eisenbahnbrücken der Welt, die 200 Meter über dem Fluss Mala Rijeka thront.
Obwohl die Route für Verspätungen, längere Stopps und eine insgesamt längere Fahrzeit bekannt ist, erfreut sie sich dennoch eines fast mythischen Rufs. Diese Bahnstrecke bietet weit mehr als ein günstiges, umweltfreundliches Transportmittel: Sie vereint technisches Können und unberührte Naturlandschaften mit einem Gefühl des Abenteuers, das auf anderen, stärker genutzten Routen nur schwer zu finden ist.
Durchqueren unberührter, atemberaubender Landschaften
Die Szenerie entlang der Route des Montenegros Express wandelt sich vom ländlich-idyllischen bis zum dramatischen Panorama. Von den sanften Hügeln und Weinbergen in den Regionen Valjevo und Užice bis hin zu den glitzernden Flüssen in Serbien, über die zerklüftete Gebirgskette bis hin zum schimmernden Adriatischen Meer. Jede Jahreszeit verzaubert mit ihrem eigenen Charme, im Herbst verfärbt das Laub die Landschaft in leuchtende Farben.
Es gibt im Sommer einen Tageszug, der nur in der zweiten Klasse verkehrt, sowie eine nächtliche Schlafwagenverbindung, die das ganze Jahr über läuft. Reisende, die südlich von Belgrad unterwegs sind, empfehlen die Übernachtungsoption, um die beeindruckende Landschaft optimal erleben zu können. Früh morgens sollten die Passagiere aufwachen, um im Abschnitt zwischen Bijelo Polje und Bar den Anblick des Montenegros sowie des Skadarsees zu genießen. Für die besten Aussichten empfiehlt es sich, auf der rechten Zugseite nach Süden zu sitzen beziehungsweise auf der linken Seite, wenn der Zug nach Norden fährt.
Nach Ankunft kann die Reise an der montenegrinischen Küste weitergehen, wo charmante Hafenstädte wie eine versteckte Riviera auf die Besucher warten oder ruhigere, weniger bekannte Küstenorte einen entspannten Urlaub versprechen.
Praktische Tipps für die epische Zugfahrt durch die Dinarischen Alpen
Zum Start in dieses außergewöhnliche Erlebnis sollte man die Plattform mit einer offenen und flexiblen Einstellung betreten. Wichtig ist, zu bedenken, dass diese Reise mehr durch ihre landschaftliche Schönheit als durch Tempo besticht. Verspätungen und längere Stopps sind keine Seltenheit, daher sollte man die Fahrpläne eher als grobe Orientierung denn als verbindliche Vorgabe sehen. Im Jahr 2023 wurde der neue Bahnhof Beograd Centar in Belgrad eröffnet, der den höchsten europäischen Standards im Eisenbahnverkehr entspricht. Es ist ratsam, im Voraus Snacks und Wasser zu besorgen, ein Buch oder Hörbuch mitzunehmen und die Kopfhörer einzupacken, denn eine längere Fahrt liegt vor einem.
Die Wagen des Montenegros Express sind mit WLAN und Klimaanlage ausgestattet, allerdings können die Leistungen dieser Annehmlichkeiten variieren. Bei der Tagestour, die nur im Sommer verkehrt, erfolgt in Bijelo Polje am montenegrinischen Grenzort ein Umsteigen, wodurch die Klimaanlage und das WLAN auf dem montenegrinischen Abschnitt entfallen. Hier sollte man entsprechend planen.
Ein Einzelticket kostet je nach Klasse ab etwa 25 Euro (in zweiter Klasse) und kann bis zu 38 Euro in der ersten Klasse betragen. Für die Übernachtung im Schlafwagen variieren die Preise je nach Unterkunftsart zwischen 8 und 55 Euro. Während man in Europa meist den Kauf der Fahrkarte im Voraus empfiehlt, sind in diesem Fall die Tickets nicht online erhältlich. Es ist daher ratsam, sie einige Tage vor der Abreise am Bahnhof zu kaufen, vor allem wenn man mit dem Eurail-Pass reist, der eine Sitz- oder Bettreservierung voraussetzt.