Nicht jede Universität hat das Glück, einen malerischen Naturraum zu teilen. Doch für Studierende des North Decatur-Campus der Emory University in Atlanta bietet das Lullwater Nature Preserve eine ruhige Zuflucht – der ideale Ort zum Lernen, Nachdenken oder einfach dem Druck eines Klassenzimmers zu entkommen. Man könnte fast glauben, hier stünde man meilenweit vom Trubel der Stadt entfernt, doch das 154 Hektar große Naturreservat liegt tatsächlich nur rund sechs Meilen vom Zentrum der Innenstadt entfernt. Wie auch andere eher unbekannte Naturreservate in Atlanta lohnt sich ein Besuch hier ganz sicher. Ganzjährig zugänglich, zeigt sich die Gegend insbesondere im Frühling von ihrer schönsten Seite: Die uralten Wälder färben sich in lebhaften Grüntönen, Wildblumen erblühen zwischen dem Grasland, eine Fülle von Vögeln sammelt sich, und der Wasserfall am Candler Lake glitzert im Sonnenlicht.
Ursprünglich war das Land vom Muscogee-Volk bewohnt. Das Gebiet von Lullwater wurde 1821 an die US-Regierung übertragen und durchlief anschließend verschiedene Eigentümer, bevor Asa Candler, der sein Vermögen mit Coca‑Cola gemacht hatte, die Liegenschaft erwarb. Sein Sohn, Walter T. Candler, entwickelte das Gelände weiter, errichtete 1926 das prächtige Tudor-ähnliche Lullwater House aus auf dem Gelände vorhandenen Steinen und ließ den See durch Aufstauen des South Peachtree Creek entstehen – eine Anlage, die später als hydroelektrische Stromquelle für das Anwesen diente. Die Candlers spendeten den Lullwater Estate 1958 der Emory University, und das Herrenhaus dient heute als offizielle Residenz des Universitätspräsidenten. Obwohl die Residenz nicht der Öffentlichkeit zugänglich ist, lässt sich ihr Erscheinungsbild auf Spaziergängen entlang der Wege dennoch erahnen.
Walking in Lullwater Preserve
Wie dieser friedliche Ort einer leichten Wanderung entsprechend, kreuzen sich viele der Wege des Lullwater durch den Wald. Der Hauptweg ist der Lullwater Loop – eine gemütliche Runde von etwa 5 Kilometern, die den Candler Lake umrundet. Das sanfte, überwiegend flache Gelände besteht aus Kies- und Asphaltwegen und eignet sich perfekt für einen entspannten Spaziergang. Besonders beliebt bei Hundeführern, Joggern, Familien – und natürlich bei Studierenden – kann der Pfad an manchen Tagen ziemlich voll werden. Die ruhigen Abschnitte abseits der Hauptroute bieten jedoch immer eine eigene Oase der Ruhe.
Der Candler Lake steht im Zentrum der Strecke, seine schimmernde Oberfläche glitzert durch das Blätterdach hindurch. Wenn man sich der Nordseite des Sees nähert, stößt man auf einen Dammquerschnitt, der das Wasser in den Bach entlässt. Dahinter befinden sich die achteckigen Ruinen des ehemaligen Steinkraftwerks, das einst das hydroelektrische System des Anwesens versorgte. Eine reizvolle Holz- und Stahlseilbrücke führt zu den Ruinen, und zusammen gelten sie als einer der fotogensten Orte des Reservats. Gleich daneben befindet sich ein malerischer Wasserfall, der diese bucolische Szene vollends abrundet.
Es gibt zudem Reste alter Steinmauern aus Zeiten, als Lullwater ein aktives Anwesen war, sowie Spuren der alten Staumauern, die sich verstreut im Gelände finden. Möchte man die Lullwater Loop verlängern, kann man östlich in Richtung Medlock Park aussteigen und dort auf den South Peachtree Creek Trail treffen. Dieser kurze, größtenteils an einem Bohlenweg verlaufende Pfad führt am Flussufer entlang und bietet unterwegs immer wieder Sitzgelegenheiten, um die Atmosphäre der Umgebung zu genießen.
The wildlife of Lullwater Preserve
Mit einer so vielfältigen Lebensraum bietet Lullwater eine reiche Tierwelt und eine erstaunliche Vogelvielfalt. Das dichte Blätterdach des Waldes und das lange Ufergras am Wasser liefern hervorragende Versteck- und Nahrungsquellen für eine große Bandbreite von Vögeln. Grüne Reiher (Green Herons), Waldentenvögel (Wood Ducks) und ostliche Blauhäubchen (eastern bluebirds) lassen sich hier häufig beobachten, ebenso wie Kanadagänse im Winter. Obwohl es keine Beobachtungsplattform gibt, entdeckt man sie, während man durch die Bäume wandert oder am Wasser entlangspaziert – man hört sie oft, bevor man sie sieht.
Das Unterholz bietet zudem ideales Versteckmaterial für Weißwedelhirsche, die regelmäßig durch das Reservat streifen. Es gab Berichte über Schildkröten, Schlangen und sogar Kojoten – doch da diese meist nachtaktiv sind, begegnet man ihnen eher selten bei Tageslicht. Angeln in Candler Lake ist gemäß den Angelvorschriften des Bundesstaates Georgia erlaubt; Catch-and-Release wird empfohlen. In jüngerer Zeit berichten Angler von verschiedenen Fischarten, darunter größere Barsche und Sonnenbarsche; details können saisonal variieren. Wer hier angelt, tut gut daran, die jeweiligen Regeln zu beachten und Rücksicht auf die Umwelt zu nehmen.
Es gibt mehrere Zugänge zum Lullwater Nature Preserve. Beachten Sie jedoch, dass das Gebiet in erster Linie für Studierende und Mitarbeitende der Universität bestimmt ist, weshalb öffentliche Parkmöglichkeiten gelegentlich knapp sein können. Der Haupteingang des Campus an der Clifton Road ist für die Allgemeinheit geschlossen. Die meisten Besucher gelangen über die Fußwege des Emory-Campus, wo sich andere Parkmöglichkeiten an der Straße finden. Eine weitere Zugangsmöglichkeit besteht nahe den Hahn Woods im Norden des Reservats, wo eine kleine kostenfreie Parkfläche zur Verfügung steht. Obwohl sich das Navigieren in Atlanta manchmal als Herausforderung erweist, ist Lullwater auch gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar – zum Beispiel mit dem MARTA-Bus 6 auf der Westseite.

